Sozialpsychologie : Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft

Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft

EUR 9,90


Immerhin besser als Adorno - was auffällt, Marcuse und Adorno widersprechen einander diametral. Warum die 68er es nicht gemerkt haben, wundert mich. Allerdings ist vorliegendes Buch immerhin lesbar und verstehbar. Aber eine dauerhafte Veränderung der GesellschAFT ZUm Guten hat es nicht bweirkt.

Anleitung zur Einsamkeit - Marcuses Werk gilt als ein Klassiker der kritischen Betrachtung der modernen Industriegesellschaft. Totalität, Manipulation und Vereinsamung werden von ihm als Folgen eines auf Konsum, Wachstum und Wettbewerb ausgerichteten Gesellschaftsmodells aufgezeigt. Und doch kann dieses Buch neben einer reinen Aufzählung und Interpretation von Fakten nebst versuchter Einordnung in eine allgemeine Theorie nicht viel Neues bieten. Marcuse hat die zentrale Frage nicht beantwortet: Wozu dies alles, was treibt den Menschen in diese Eindimensionalität? Es ist das Streben nach Macht, das ihn vorwärts treibt und ihn in die Eindimensionalität der Einsamkeit verschwinden lässt. Marcuse hat diesen Bereich mit Absicht ausgeklammert und man sollte dieses Buch mit Vorsicht genießen: Dadurch, dass er nur die Symptome anprangert, nicht jedoch deren im menschlichen Verstand begründete Wurzel, kann sehr leicht der Verdacht entstehen, er wolle Augenwischerei betreiben: Ein bisschen in schöne und wissenschaftlich klingende Worte gepackte allgemeine Symptomkritik und sonst nichts. Man kann den Verdacht nicht abstreifen, dass hier weniger fundierte Analyse als vielmehr Programm geschrieben wurde: Ein Programm zur Augenwischerei und zur Ablenkung von einem fundamentalen Problem - dem entfesselten Machtstreben als Fundament der modernen Gesellschaft und deren Folgen. Marcuses Buch erscheint dadurch mehr als Cover-up denn als Analyse. Wahrscheinlich ein Auftragswerk. Vier Sterne ist es jedoch allemal wert, da immerhin Marcuse sehr klar und früh deutlich gemacht hat, in welche Sackgasse unsere Gesellschaft sich aus Angst und Komfortdenken bewegt.

ein Muss für jeden! - auf der linken überholspur kommt man an herbert marcuse kaum vorbei. der geistige vater der revolutionären linken in deutschland (insbesondere die 68er) legte mit diesem buch eine phänomenale und scheinbar omni-gültige analyse des herrschenden system dar...egal ob diese analyse 1970 oder 2020 gelesen wird, sie ist aktuell und ich kann mir nicht denken, dass wenn man sie gelesen hat, man die welt mit den gleichen augen sehen wird.für mich sind dieses buch und die person herbert marcuse eine offenbarung sondergleichen.nur zu empfehlen!

Gute Idee, sehr abstrakt verpackt - Marcuse (1898-1979) beschreibt eine Gesellschaft, die immer mehr gleichgeschaltet wird durch Massenkommunikation, -transport, -produktion und -konsum. Die Menschen werden dazu gebracht, einheitlich und damit eindimensional zu denken. Wir sind eine Gesellschaft ohne wirkliche Opposition. Durch dieses Denken würden die Absurditäten unserer Gesellschaft verdeckt, u.a. würden die Menschen in Einklang mit der Reklame durch den im kapitalistischen System erzeugten steten Wettbewerb und Wettrüsten zu Höchstleistungen gebracht - obwohl diese Umstände letztlich dem Einzelnen schaden. Im Hinblick darauf, was unser fortgeschrittener Lebensstandard an Mensch und Natur vollbracht hat, ist die Frage zu stellen, ob er der Opfer wert war, die seiner Verteidigung erbracht werden.Das Buch stammt aus dem Jahr 1964, das atomare Wettrüsten und die sprachliche Vertauschung von Freiheit mit Unfreiheit im kapitalistischen Produktionsprozess der Konzerne waren Tagesgespräch, und das Buch war eine der argumentativen Grundlagen der 68er-Bewegung. Die Situation ist unverändert aktuell angesichts der aktuell (inszenierten) Bedrohung durch den Terrorismus und der Globalisierungsdiskussion. Literatur zu dem Thema, inwieweit die westlichen Nationen diesen Zustand selbst verschuldet haben, gibt es ja genug. Als Ausweg propagierte Marcuse letztlich die Verweigerung des Systems, wenngleich das im Buch kaum ersichtlich ist.Wesentliches Mittel zur gedanklichen Gleichschaltung ist laut Marcuse die Sprache, und so widmet er den Großteil seines Werkes der Sprachanalytik - Richtung Orwellschem Neusprech - sowie der Wahrnehmung. Dazu bedient er sich reichlicher Zitate querbeet aus der Philosophie angefangen von den Altgriechen bis hin zu den jüngeren Franzosen. FAZIT: Marcuses Analysen erfolgen auf - vermeintlich - höchstem Niveau, und das ist hier negativ gemeint. Die Ausführungen sind sehr unzugänglich und nur mühsam nachvollziehbar. Das muss nicht sein. Der Umschlagtext (meiner Ausgabe) wundert sich noch, weshalb sich nur Intellektuelle und Randgruppen für das Thema interessierten: letztlich erreicht Marcuse nicht sein Ziel, der breiten Masse der Menschen ihre Einseitigkeit, Steuerbarkeit und Widersprüchlichkeit zu verdeutlichen.

Klassiker der 68er-Bewegung - Man stelle sich eine Gesellschaft vor, die unter einer Glaskuppel lebt. Ihre Mitglieder arbeiten, schlafen, lieben und konsumieren in dieser künstlichen Welt. Natürlich läuft das Leben nicht immer friedlich ab: Es gibt schon mal Streit mit dem Nachbarn, dem Chef oder den Politikern. Aber dann greifen bewährte Mechanismen der Deeskalation und Konfliktlösung. Niemand käme auch nur im Traum darauf, einen Blick auf die andere Seite der Glaskuppel zu riskieren oder gar sie zu zertrümmern. Warum auch: Es geht allen doch ganz ausgezeichnet, selbst der Ärmste ist noch zufrieden. So ist das Leben in der Komfortzone. Das ist keine Science-Fiction à la Brave New World oder Matrix, sondern eine Gesellschaftsbeschreibung aus der Sicht von Herbert Marcuse. Seine Zeit: die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Marcuse zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die von den Annehmlichkeiten eines totalen Systems - egal ob kapitalistisch oder sozialistisch - eingelullt wird und sich das gern gefallen lässt. Medien, Politik, Wirtschaft ziehen an einem Strang, um das Individuum zufrieden zu stellen und zu unterdrücken. Die Luxus-Medien-Waren-Konsumwelt ist getarnte Sklaverei. Eine beunruhigende Bestandsaufnahme des modernen Kapitalismus. Lediglich der manchmal recht unzugängliche Stil schützt den Leser davor, dass ihm angst und bange wird.




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