Sozialpsychologie : Vom Haben zum Sein: Wege und Irrwege der Selbsterfahrung

Vom Haben zum Sein: Wege und Irrwege der Selbsterfahrung

EUR 7,95


Wage zu denken, sapere aude, schreibt Fromm, beruft sich auf Kant und ist dabei aktueller denn je. Es gelte, den großen Schwindel zu durchschauen, der die Reklame wichtiger macht als das Produkt. Man müsse verstehen lernen, dass sich hinter mancher Berühmtheit ein mittelmäßiger, dafür aber narzisstischer, aggressiver, angetrunkener oder obszöner Schlagzeilenlieferant verbirgt. Gleiches gelte für den Massenmarkt des Seelenheils, auf dem Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung zum Discountpreis angeboten werden und das eigentliche Original kaum mehr auszumachen sei. Ist ein Schalk, wer Arges denkt und an der Lauterkeit der Kriegspolitik der Bush-Administration zweifelt? Naiv und leicht täuschbar zu sein, ist unverantwortlich, besonders heute, wo Lügen zu einer Katastrophe führen können, weil sie für echte Gefahren wie auch für reale Möglichkeiten blind machen, schrieb Fromm vor mehr als 30 Jahren. Und weiter: Häufig bieten sich jene, die den Menschen ausbeuten, als Vaterfiguren an und werden auch als solche gerne angenommen. Man zieht es vor, Menschen zu gehorchen, die es angeblich gut meinen, als sich selbst einzugestehen, dass man aus Angst und Ohnmacht gehorcht. Schlechte oder triviale Gesellschaft solle man daher meiden und sich von dem Irrtum verabschieden, es gebe ein Leben ohne Anstrengung und Leiden genauso wenig, wie es ein Ideal gebe, spontanen Impulsen immer und überall zu folgen und dadurch glücklich zu werden. Konzentration, wach sein, Meditation, Gewahrwerden und Psychoanalyse sind die Mittel gegen die Illusion. Und schöpferisches Maßhalten. Dinge, die kein Mittel für größere Lebendigkeit und Produktivität sind, sondern nur dem passiv-rezeptiven Konsum dienen, brauchten wir nicht. Ich bin, was ich bin oder Vom Haben zum Sein: Also geht der steinige Weg tieferer Selbsterkenntnis. Auch hier gelte es, wachsam zu sein und übergroße Intellektualisierung, Narzissmus und Besitzstrukturen mit Hilfe der großen Denker der Menschheit zu überwinden. Denn, und hier zitiert Fromm Meister Eckhart: Wie kann einer überhaupt leben, ohne in der Kunst des Lebens und Sterbens unterrichtet worden zu sein? Fromm und gut oder gierig und schlecht: Unter dieser Überschrift könnte das Buch auch stehen. Sie wäre allerdings mehr zynisch als richtig und sagte mehr aus über den in seine Zeit verstrickten und skeptischen Rezensenten als über das Buch, das für manchen modernen Leser etwas unbequem daherkommt. Statt die Freiheit klar und programmatisch geschlossen in der politischen Freiheit von etwas zu suchen, in der Freiheit von Feudalismus, Kapitalismus, Imperialismus etc., gilt bei Fromm der religiöse Satz Der Mensch kann frei sein, selbst wenn er in Ketten liegt in einer besonderen Art und Weise. Über das Mittel der Massensuggestion liegt der Mensch nun an den Ketten unsichtbarer Zwänge. Wie er sich aus eigener Kraft befreien kann, dazu gibt Fromm zahlreiche Empfehlungen. --Dr. Stefan Rusche

Mehr als nur eine Ergänzung! - Es wird gesagt, dass dieses Buch nur eine Ergänzung zu Haben und Sein sei. Das ist es nicht!Es ist mehr. Auch das Lesen dieses Buches ohne vorher Haben und Sein gelesen zu haben ist möglich, wenn auch mit einbußen. Erich Fromm geht in diesem Werk viele Themen an:Zunächst geht er auf die Irrwege der Selbsterfahrung ein. Er spricht von verschiedenen esoterischen Gruppen, die mit der Realität nicht viel gemein haben und wohl eher das Ziel verfolgen Geld zu machen.Im weiteren Verlauf macht er einige Vorschläge für den richtigen Weg zur Selbsterfahrung: Wach sein, Gewahrwerden, sich konzentrieren. Diese Vorschläge hören sich zunächst simpel an, sie sind jedoch der Grundstein für den weiteren Weg. Ohne sie ist er nicht zu beschreiten.Im darauffolgenden Kapitel geht Fromm auf die Begrenztheit der Psychoanalyse ein und zeigt mit größmöglicher Kompetenz Fehler in verschiedenen Schulen der Psychoanalyse auf (vorzüglich Freud).Nach diesem Kapitel ist sozusagen die Grundmauer errichtet. Nun geht Fromm auf die Gründe für die Orientierung am Haben ein. Durch das Verständnis dieser komplexen Zusammenhänge erlangt der Leser eine ganz neue Sicht der Dinge und erkennt seine eigene Habensorientierung.Gerüstet mit dieser Erkenntnis kann der Leser nun Fromms Lösungsvorschlag annehmen und sich erklären lassen wie man diese Orientierung in die falsche Richtung ablegen kann.Ein fantastisches Werk, das Interessierten 150 Seiten Spannung und Aha-Erlebnisse bringen wird.Teilweise, aufgrund des komplexen Themengebiets, nicht leicht verständlich, aber auch für Laien zumutbar.Sehr zu empfehlen!

Gute Beispiele und klare Aussagen - Jeder der das Buch Haben oder Sein gelesen hat weiß nun genau um die Denkweise von Erich Fromm. Wenn man so will handelt dieses Buch von denselben Dingen, jedoch noch etwas mehr praktisch ausgeführt und vor allem viele Dinge nochmal ausführlicher Beschrieben die in Haben oder Sein zu kurz gekommen sind. Man wird dazu gezwungen sich Gedanken zu machen wie man sich selbst sieht und wie die Kosumgesellschaft es schafft einem zum Werkzeug zu machen. Es ist einfach zu lesen und eine wirklich super Ergänzung die man unbedingt lesen sollte.




Vom Haben zum Sein: Wege und Irrwege der Selbsterfahrung